Das Problem des Mandela-Effekts

Als ich zum ersten Mal vom Mandela-Effekt hörte, war ich fasziniert, weil auch ich diese alternativen Erinnerungen an einige der beschriebenen Haupteffekte hatte.

Ich war ein wenig überrascht, nachdem ich ein wenig mehr darüber erfahren hatte, dass so viele Menschen blind an alternative Zeitlinien, Paralleluniversen usw. glauben.

Das Problem: Ich habe Leute Dinge wie Zeitachsen, parallele Universen, multiverse Theorie, verschiedene Dimensionen, Verschiebung, Zusammenführung, Austausch, etc. sagen hören.

Wissen diese Leute tatsächlich, wovon sie reden? Oder werfen sie mit zufälligen wissenschaftliche Theorie um sich und hoffen dabei aufs Beste?

Sophismus

Im antiken Griechenland gab es Philosophen, die ihr Lebensunterhalt damit verdienten, dass sie rhetorisch möglichst geschickt ‚Wahrheiten‘ und ‚Erkenntnisse‘ zum Besten gaben –  die dabei natürlich möglichst spannend und reisserisch sein sollten. Sie wurden Sophisten genannt und bis heute wird ein Scheinbeweis, oder ein Täuschung bezweckender Trugschluss als Sophismus bezeichnet. Meines Erachtens handelt es sich auch bei den Erklärungen, die den Mandela-Effekt mit solchen verschwörungstheoretischen semiwissenschaftlichen Hintergründen herzuleiten wissen als Sophismen.

Alles begann, als Reece den Blogbeitrag über die Situation der Berensteinbären verfasste. Als Physiker sprach er sich für eine Theorie aus, die ein alternatives Universum oder einen Zeitlinienwechsel vorschlug.

In einem anderen Fall machte er die Möglichkeit auf, dass wir alle in unserem eigenen alternativen Universum leben könnten. Diesen Gedanken verknüpfte er dann mit dem Mandela-Effekt und voilà, ist eine semiwissenschaftliche Erklärung für das dubiose Phänomen des Mandela-Effekts gefunden.

Liest man die Gedanken des Autoren heute, erklärt er, dass er nicht wirklich an diese Möglichkeit glaube. Er begründet dies damit, dass die Theorie oftmals Mängel aufweise und die Realität nicht immer gemäss den theoretischen Möglichkeiten funktioniere.

Erinnerung hat nichts mit Paralleluniversen zu tun!

Symbolbild: Paralleluniversen
Paralleluniversen: Symbolbild

Ich schätze jedoch, dass das trotz allem niemanden davon abgehalten hat, diese Ideen zu verbreiten.

Sich an etwas zu erinnern, hat jedoch nichts mit parallelen Universen oder alternativen Zeitlinien zu tun. Es gibt keine Beweise oder Evidenz dafür.

Es ist natürlich ein interessanter Gedanke und viele selbsternannte Forscher paranormaler Aktivitäten haben es sich zum Ziel gemacht, möglichst komplizierte und spannende Erklärungen darzulegen. Die Erklärung geht dahin, dass dein Bewusstsein und deine Erinnerungen auf eine alternative Zeitlinie übertragen wurden, in der die Dinge anders sind.

Deine Erinnerung bleibt sich jedoch auch in dieser Zeitlinie gleich – sie besteht weiterhin aus derselben Materie, welche die Veränderung in der vorigen Zeitlinie bewirkten. Dieser Umstand weist einige Rätsel auf, wird zumeist nicht richtig erklärt und ist im besten Falle unplausibel. (Plausibler wäre da doch immer noch, dass sich auch die Erinnerung der neuen Zeitlinie anpasst und es folglich die fehlerhafte Erinnerung eben nicht gibt.)

Ockhams Rasiermesser: Die simplere Theorie ist die bessere

Auch wenn die Theorie plausibel wäre, ist sie unnötig kompliziert: Gemäss Ockhams Rasiermesser ist bei der Bildung von Hypothesen und Theorien eine einfachere Erklärung besser als eine kompliziertere.

„Wenn sich alles andere gleich ist, ist die einfachste Lösung meistens die beste. —William von Ockham“

Beispiel: Das Auftreten von Blitzen in Gewittern kann zweierlei erklärt werden.

Erklärung 1: Es gibt einen Olymp und Götter und es gibt den obersten olympischen Gott, der mit Blitzen werfen kann, was zu genannten Blitzen in Gewittern führt.

Erklärung 2: Es gibt positive und negative Ladungen, die bei Reibung/Interaktion Wärme und Energie erzeugen können, was zu Elektrizität und bei extremen Entladungen zu Blitzen führen.

Erklärung 2 hört sich in einem Schulkontext komplizierter an, bedarf aber viel weniger Voraussetzungen (z. B. lediglich das Konzept von positiven und negativen Ladungen und wie diese interagieren).

Insofern ist Erklärung 2 hierbei die bessere Erklärung für das Phänomen.

Fazit: Mandela-Effekt erklärt

Was der Fall ist: Der Mandela-Effekt ist ein reales, beobachtbares Phänomen, das unterschiedlich erklärt werden kann.

Es gibt also einen echten Effekt, und in jedem Fall gibt es einen Grund für den Effekt.

Die Erklärung von Zeitlinien und Paralleluniversum ist doppelt unplausibel: Erstens ist die Erklärung in sich nicht schlüssig, weil nicht erklärt wird, weshalb die Erinnerung nicht an die neue Zeitlinie angepasst wird. Zweitens ist die Erklärung unnötig kompliziert und die Erklärung von falschen Erinnerungen ist einfacher und schlüssiger, daher gemäss Ockhams Rasiermesser die bessere Theorie.

Der Mandela-Effekt ist also das Phänomen falscher Vorstellungen und Erinnerungen, die keine einfachen oder rationalen Lösungen zu haben scheinen (Wie falsche Erinnerungen entstehen).

Misskonzeptionen sind eine Alltäglichkeit und treten immer wieder auf. Dazu gibt es sogar einen riesigen Wikipedia-Artikel (List of common misconceptions), der jedoch nur in englischer Sprache verfügbar ist

Einige dieser falschen Vorstellungen Und Misskonzeptionen können dabei leichter entlarvt werden als andere.